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Montag, 24. September 2018

Die Tuchvilla von Anne Jacobs

Augsburg ein knappes Jahr bevor der erste Weltkrieg ausbricht. Marie kommt als Küchenhilfe in die Villa von Tuchfabrikant Melzer. Noch weiß das junge Mädchen nicht, dass Johann Melzer sie bewusst ins Haus geholt hat. Die jüngste Tochter Katharina soll in die Gesellschaft eingeführt werden, Sohn Paul studiert in München und Tochter Elisabeth wartet auf den Antrag von Klaus von Hagemann.
 
Doch vieles kommt anders, als es geplant war. Marie findet heraus, dass der alte Melzer ihre Eltern kannte. Beim Leser kommt dabei die Frage auf, ob Marie den richtigen Mann für ihren Vater hält. Vieles spricht dafür, dass Johann Melzer der Vater sein könnte. Denn warum sonst hätte er all die Jahre heimlich für das Mädchen gesorgt?
 
Paul dagegen bricht sein Studium in München ab und kehrt zurück nach Augsburg. Seine Schwester Katharina wird von den jungen Männern umschwärmt, welche sie auf den verschiedenen Bällen kennenlernt und erliebt dann dem Charme eines Franzosen. Elisabeth wird von ihrem Klaus verschmäht und entwickelt geradezu Hassgefühle gegen ihre Schwester, die einen Narren an Marie gefressen hat. So steigt Marie schnell vom Küchenmädchen zur Kammerzofe auf.
Aber das soll nicht alles sein, was sich im Leben der jungen Marie, in kurzer Zeit entwickelt. Dazu kommt der Ausbruch des ersten Weltkrieges und ein großes Sommerfest im Park der Familie Melzer, welches mit einigen Überraschungen seine Gäste in Staunen versetzt.

Meine Einschätzung

Der erste Teil der Tuchvilla hat mich gefesselt und die beiden anderen Teile warten darauf, dass sie gelesen werden. Hauptsächlich geht es um Marie Hofgartner, die endlich Wissen über ihre Eltern erlangt. Man hatte ihr kaum etwas im Waisenhaus über sie erzählt. Marie hatte sich immer ihre eigene Familiengeschichte erträumt, zu der sie am Ende des Buches auch kommt. Zudem trotzt Marie von Beginn an gegen alles, was ihr nicht gerecht vorkommt. Selbst dem Hausherren gibt sie Widerworte und muss manches Mal um ihre Anstellung fürchten. Doch zum Schluss fügen sich viele Dinge so, wie sie sich während des Lesens andeuten und die man als Leser auch erhofft. Dazu wird man neugierig auf den nächsten Teil, welcher die Kriegsjahre in der Tuchvilla beschreibt.

Die Autorin

Anne Jacobs lebt im Taunus, hat Musik und Sprachen studiert und könnte als Lehrerin Abiturienten unterrichten. Das Schreiben wurde ihr schon in die Wiege gelegt, auch wenn sich das erst spät entwickelt hat. Die Triologie über die Fabrikantenfamilie Melzer entstand aus den väterlichen Erzählungen über eine Fabrik, die der Großvater besaß. Auch wenn dort keine Stoffe hergestellt wurden und die eigene Familiengeschichte dazu in Hessen entstand.

Fakten zum Buch

Erschienen: 15.12.2014
ISBN: 978-3-442-38137-1
704 Seiten

Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.

Montag, 9. Juli 2018

Die Mutter des Satans - von Claudia und Nadja Beinert

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Martin Luther - der große Reformator. Doch was wissen wir aus der Zeit bevor er die 95 anschlug? Seine Kindheit und Jugend wurde bisher kaum vorgestellt. Nadja und Claudia Beinert erzählen uns genau von dieser Zeit. Wo seine Eltern herstammen, wohin es sie verschlagen hat und wie der junge Martin überhaupt zum Mönch geworden war.

Hans und Margarethe Luder
 
Hans Luder stammt aus einer Bauernfamilie. Doch er wollte mehr als immer nur die Felder bestellen und mehr oder weniger von der Hand in den Mund leben. Seine Frau Margarethe stammt aus Eisenach. Sie ist als Ratsherrentochter wohlbehütet aufgewachsen und sollte dann in ärmlichen Verhältnissen ihr Dasein fristen? Sie wurde in südlich von Eisenach liegende Möhra verheiratet.

Hans wollte aber mehr als nur Bauer sein und interessierte sich schon lange für den Bergbau. Über Eisleben, wo Sohn Martin gleich nach der Ankunft geboren wurde, kamen die Luders nach Mansfeld. Margarethe tat sich schwer in ihrem neuen Leben zurecht zu finden. Einen großen Haushalt ohne Hilfe führen, Kinder erziehen und dem Ehemann gegenüber gehorsam sein. So fand sie immer wieder die seelische Zuflucht bei Sohn Martin, der für sie zum festen Halt im Leben wurde.

Martin Luthers Kind- und Jugendzeit

Schon von Geburt an, verband Martin mehr mit seiner Mutter, als die nach ihm geborenen Geschwister.  Der Vater, ehrgeizig, streng und unnahbar, verlangte grundsätzlich Bestleistungen von seinem Sohn. Sollte er doch die Laufbahn eines Juristen einschlagen. Diesen Weg beschritt Martin auch, um dann seinen Eltern zu eröffnen, dass er Mönch werden wollte. Er widersetzte sich seinen Eltern, hatte nur heimlich Kontakt zu Mutter und brachte die Eltern, trotz dass sie ihn verstoßen hatten, in große Schwierigkeiten.
Dazu die schlechter werdenden Geschäfte im Bergbau von Hans, die Ablehnung der Mansfelder gegenüber der Familie Luder. Auch Pest, Aberglaube und Ablass machen das Leben der Luders nicht leichter. Verlieren sie doch dabei auch ein Kind und der zweite Sohn ist dem Tode nah. Werden sie sich mit Martin wieder versöhnen, trotz dass er sich sogar mit dem Pabst angelegt hat?

Meine Meinung

Das Buch ist von Beginn an schwierig zu lesen. Spielt es doch meist in den Erinnerungen von Margarethe. Zeitweise spielt es in der Portätkammer von Lucas Cranach, der die Luders malen soll. Auch er macht sich während der Sitzungen Gedanken um Margarethe, wie auch seine eigene Familie. Doch die Szenenwechsel sind nicht alles. Das Buch ist insgesamt sehr anspruchsvoll, weil es den Leser mitreisst sich in die Zeit hinein zu denken. Die bildhaften Beschreibungen der Landschaften und auch der Gedanken von Margarethe lassen den Leser in die damalige Zeit tief eintauchen.
Wer also an der deutschen Geschichte interessiert ist, wird dieses Buch zu schätzen wissen. Vor allem, weil es Dinge über den großen Reformator aufzeigt, die bisher kaum Beachtung gefunden haben.

Fakten zum Buch

Hardcover, Knaur HC
01.02.2017, 448 S.
ISBN: 978-3-426-65383-8
Als Taschenbuch ab September 2018 erhältlich

Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.

Freitag, 2. März 2018

Schwert und Krone - Der junge Falke von Sabine Ebert

Bildquelle: Knauer HC

Sabine Ebert hat eine neue Buchreihe. Unter dem Haupttitel Schwert und Krone beginnen die Ereignisse rund 20 Jahre vor dem ersten Hebammen-Roman. Und spannend wie der erste Teil "Meister der Täuschung" endete, begann auch der zweite Teil "Der junge Falke". Auch im zweiten Teil begegnen einem Namen, die man schon aus den Büchern rund um die Hebamme Marthe kennt.

Wer ist der Falke?

Die Bezeichnung Falke tauchte schon im ersten Teil dieser Buchreihe auf. Und König Konrad konnte sich auf die Weissagung keinen Reim machen. Vergaß sie auch viele Jahre und beim Kreuzzug ins heilige Land, welcher zum Debakel wurde, kam ihm plötzlich diese Aussage wieder in den Sinn. Diesmal aber mit der Erkenntnis wer der junge Falke sein sollte. Wer sich geschichtlich etwas auskennt in dieser Zeit wird schon vor dem König erkennen, welcher Mann damit gemeint ist.

Politische Bündnisse

Diese werden zwar von den Männern arrangiert. Aber gerade Frauen spielen dabei eine wichtige Rolle. Denn sie sind oft Mittel zum Zweck durch eine Ehe, um sich starke Bündnispartner zu sichern. So wird der junge Dietrich von Meißen mit einer Polin vermählt. Und sein Bruder Otto wird mit der kleinen Tochter von Albrecht dem Bären verlobt, selbst wenn Hedwig damals noch ein Kind ist und der Vollzug der Ehe erst Jahre später statt finden wird.
So wurde auch im ersten Teil Kunigunde als Mündel des Königs mit dem alten Grafen von Plötzkau verheiratet und der zukünftige Herzog von Schwaben, Friedrich, muss Adela von Vohburg heiraten bevor er am Kreuzzug teilnehmen darf.

Die Welfen

Dieses Adelsgeschlecht, bekannt durch Ernst August von Hannover, hatten damals wie heute Streitigkeiten in der Familie. Hatte damals lange Welf VI. als Familienoberhaupt aller Linien agiert, wurde ihm dies von seinem Neffen, Heinrich dem Löwen streitig gemacht. Grund war die Niederlage gegen den 13jährigen Sohn des Königs und seine Truppen, die den sechsten Welfen in eine Falle gelockt hatten. Und da auch hatte der junge Herzog von Schwaben auf beide Verwandten eingewirkt, damit den Reichsfrieden nicht mehr gefährdeten.

Der König ist tot! Es lebe der König!

So wie zu Beginn des ersten Buches Kaiser Lothar verstirbt, endet mit dem zweiten Buch auch das Leben von König Konrad. Beim Kreuzzug war er am Wechselfieber erkrankt. Auch nach seiner Rückkehr machte ihm diese Krankheit immer wieder zu schaffen. Und zu wenig Verbündete hatte der König in seiner Regierungszeit, was ihm innerpolitisch mehrere Niederlagen einbrachte. Sein ältester Sohn und Mitregent starb auf ungeklärte Weise und sein zweiter Sohn war zu jung, um als König ernst genommen zu werden. Doch wer wird von den Reichsfürsten gewählt werden? Das erfährt der Leser am Ende des Buches und wird dabei auch so manche Aufklärung zum bisherigen Verhalten des Mannes erfahren.

Fakten zum Buch

Schwert und Krone - Der junge Falke
Sabine Ebert
Hardcover, Knaur HC
02.11.2017, 640 Seiten
ISBN:  978-3-426-65413-2
19,99 €

Freitag, 3. November 2017

Schwert und Krone - Meister der Täuschung von Sabine Ebert

Bildquelle: Knaur Verlag

Eine neue Buchreihe - Schwert und Krone - von Sabine Ebert. Schon im Klappentext wird der Leser darauf hingewiesen, dass man einigen Personen begegnen wird, welche man schon aus der Hebammen-Reihe kennt. Wer diese Bücher gelesen hat, ist vom ersten Wort an gespannt, welche Personen es sein werden.

Doch das Buch beginnt etwa eine Generation vor der Hebamme. Der damalige Kaiser Lothar stirbt auf dem Weg nach Hause ins Deutsche Reich und ein Intrigenspiel um die Krone beginnt. Denn Lothar hatte seinen Schwiegersohn, einen Welfen, die Reichsinsignien vermacht und ihm die Königskrone versprochen. Aber die Geistlichkeit, allen voran der Erzbischof von Trier, wollten einen Staufer auf dem Thron sehen.




Intrigen und Machtkämpfe
Der Roman zeigt vor allem die Intrigen auf, welche gesponnen wurden, um die persönlichen Ziele zu erreichen. Große Männer der Geschichte, wie der spätere Kaiser Barbarossa, sind noch junge Männer, die sich die ersten Sporen als Ritter verdienen. Doch gerade der junge Friedrich wird auf eine harte Probe gestellt. Ist er doch durch seinen Vater ein Staufer, aber durch die Mutter ein Welfe. Welcher Teil der Familie ist ihm wichtiger? Wem verdankt er was in seinem bisherigen Leben?

Bekannte aus der Hebammen-Reihe

Doch nicht nur der spätere Kaiser findet immer wieder Erwähnung im Buch. Auch der spätere Markgraf von Meißen, Otto muss teilweise sehr viel Verantwortung übernehmen. Dabei wird ihm und seinen Bruder immer wieder vom Vater gelehrt, dass man bestimmte Entscheidungen erst sehr spät treffen muss, um seinen eigenen Vorteil zu wahren.
Aus der Hebammenreihe wissen wir auch, dass der Wettiner Otto die Tochter von Albrecht dem Bären geheiratet hatte. Doch wie kam es dazu? Erlebt man doch in Schwert und Krone erst mal nur Feindschaft zwischen dem Bären und Konrad von Meißen. Sie schwelgen, meist jeder für sich, in Erinnerungen an eine frühere Freundschaft und gemeinsame Kämpfe. Zumal der Wettiner dem früheren Kaiser familiär verbunden ist und der Askanier Albrecht nach mehr Macht trachtet.

Gibt es auch Liebe?
Ja, aber nicht so gut ausgeschmückt, wie man es von Sabine Ebert kennt. Denn Verlobungen und Hochzeiten werden arrangiert um Bündnisse zu schmieden oder Gefolgsleute zu gewinnen. Einzig eine Beziehung mit gegenseitiger Liebe wird in diesem Roman beschrieben und führt auch zu einer Ehe. Deren Nachkomme ist auch ein Bekannter aus der Hebammen-Reihe.

Fakten zum Buch

Hardcover, Knaur HC
01.03.2017, 592 S.
ISBN: 978-3-426-65412-5
19,99 €

Samstag, 16. September 2017

Die Schattenbucht von Eric Berg


Die Schattenbucht spielt, wie die beiden anderen Romane von Eric Berg, an der deutschen Küste. Diesmal bietet der Darß die passende Kulisse für die diversen menschlichen Tragödien, die im Verlauf der Geschichte ans Tageslicht kommen. Im Mittelpunkt steht dabei die Psychologin Ina Bartholdy, welche immer mehr Verknüpfungen zwischen zwei Ihrer Patiente findet. Zum einen gibt es da Marlene Adamsky, welche sich versucht hat das Leben zu nehmen. Anfangs redet sie gar nicht mit Ina, gibt später selbst nichts aus der jüngsten Vergangenheit preis, was auf diesen Suizidversuch einen Hinweis gibt. Aber sie legt geschickt Spuren aus, so dass Ina hinter das grausame Geheimnis kommen muss.

Als zweiter Patient kommt Christopher ins Spiel. Seine Mutter ist 14 Monate zuvor verschwunden und der Junge leidet unter dieser Situation. Er gibt seinem Vater die Schuld daran, der selbst keine Erklärung dafür hat und schon gar keine Schuld daran trägt.

Stefanie, Gerd und viele offene Fragen
 
Gerd Adamsky will um jeden Preis verhindern, dass Ina weiterhin Kontakt zu seiner Frau hat. Doch Marlene unterschreibt die Papiere für eine weitere psycholigische Betreuung. Doch warum will Adamsky den Kontakt unterbinden? Ina wird aus dem Mann nicht schlau, da auch er kaum mit ihr redet. Dann taucht aber Stefanie, Ina´s Tochter, auf. Sie will ihre Ferien bei der Mutter verbringen und wird dazu noch die Freundin von Christopher. Es wird ein Spagat für die Psychologin zwischen Job und Privatleben zu jonglieren. Zweites zerbricht zusehens, da sich Bobby, ihr sehr viel jüngerer Freund, nach einem Brandanschlag die Trennung vorzieht.
 
Verluste und deren Folgen
 
Berg schafft immer wieder zwei zeitliche Ebenen. Zum einen die Vorgänge, welche 14 Monate zurückliegen. Mehrere, scheinbar betrogene Menschen, schmieden einen Plan, wie sie ihr Geld zurück bekommen können. Doch der so gut durchdachte Plan entwickelt sich anders, als die Ersinner wollten und sie können die Ereignisse nicht mehr selbst steuern.
Ina dagegen werden in der Gegenwart viele Verknüpfungen nach und nach bewusst. Dabei stellt sie oft auch ihre Beziehung zu Bobby in Frage. Sie hadert mit sich und ihrer Liebe, warum sie von seiner Vergangenheit so gut wie nichts weiß und schnüffelt in seinem Leben. Doch am Ende siegt doch das Gefühl und auch der Verstand, da Bobby zwar in die Ereignisse vor 14 Monaten verwickelt war, aber von vielen Vorgängen im Haus der Adamskys gar nichts wusste.
 

Eric Berg
 
Nach 2013, als sein Debüt erschien, ist "Die Schattenbucht" der dritte Kriminalroman. Die Leser feiern Berg und sind schon auf neue Romane gespannt. Denn der wechsel der zeitlichen Perpektiven macht seine Bücher spannend und regt an, sich selbst Gedanken zu machen, was passiert sein könnte. Und wie so oft im wahren Leben, nehmen die Geschichten von Berg auch Wendungen, die man nicht bedacht hatte.

Fakten zum Buch

Paperback, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-8090-2642-6
Limes Verlag, Verlagsgruppe Random House GmbH
Erschienen: 22.02.2016  
 
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Mittwoch, 25. Januar 2017

Wollowbies von Jana Ganseforth


Auch mich haben die Häkeltiere erwischt und ich habe mir über eine Wunschseite das Buch Wollowbies: Freche Häkelminis, süße Botschaften schicken lassen. Für unterwegs ist das Buch recht unhandlich, es sei denn, dass man eine größere Tasche für Handarbeiten hat. Die 112 Seiten sieht man ihn auch nicht wirklich an, obwohl auf recht dickem Papier gedruckt wurde. Pro Tier hat man je eine Doppelseite als Übersicht und eine mit den Angaben für Material und die Anleitung. Dazu hat man auf den insgesamt vier Seiten pro Tier mindestens drei verschiedene Ansichten.
 

Unterteilt ist es in vier verschiedene Bereiche. Tiere in Haus und Hof mit neun Tieren. Das Thema Wald und Wiese bietet fünf Tiere und die Exoten aus Afrika und anderen Kontinenten bringt elf Anleitungen mit. Am Ende findet man noch vier Seiten mit einer Häkelschule und ein paar Informationen für die Autorin. Als Goodie liegen je fünf Labels und Knöpfe bei, die man an die Tier anbringen kann.  Die Umschlagseiten, welche ausgeklappt werden können, bieten vorne das Inhaltsverzeichnis und hinten die Erklärungen für die Abkürzungen. Dort hätte man noch einen Herstellernachweis für die Wolle bzw. Bezugsquellen und das sonstige benötigte Zubehör auflisten können.
by Sabine Wolfram


Das Buch befand sich nun schon einige Monate in meinem Besitz, aber andere Aufträge hatten bis Anfang des Jahres einfach Vorrang. Dann kam der Wunsch nach einem Eisbären. Ok, kein Problem, die Anleitung vom Braunbären kann man ja einfach mit weißer Wolle machen. Das Ergebnis seht ihr hier auf dem Foto. Doch das was ich da gehäkelt habe, entspricht nicht ganz der Anleitung aus dem Buch. Und da komme ich zum eigentlichen Problem, wo ich Anfängern das Buch nicht empfehlen kann.


 
Allein bei der Anleitung für den Bären musste ich feststellen, dass die Angaben für die Beine nicht passen. Würde man sie danach häkeln und annähen, wären sie viel zu kurz und die Proportionen würden nicht stimmen. Auch die Ohren habe ich anders gehäkelt, weil die Anleitung dazu viel zu knifflig ist, wenn es dann um das Anbringen geht. Nachdem der Eisbär gehäkelt war und seinen Empfänger erreicht hatte, kamen noch mehr Wünsche. Unter anderem nach Pandabären. Dafür gibt es auch eine Anleitung. Dass hier die Angaben für die Beine und Ohren wieder nicht passen war klar und ich habe sie ebenso gearbeitet, wie beim ersten Eisbären. Aber auch die Farbwechsel haben bei den Beinen nicht gepasst.  Laut Anleitung sollte man sie mit Weiß und Schwarz arbeiten, obwohl sie auf dem Bild nur mit schwarzer Wolle gemacht waren. Ein Blick in die Bildersuche bei Google zeigte mir auch, dass man sie nur mit schwarzer Wolle machen sollte.

by Sabine Wolfram
 
Auch wenn das Buch am Ende auf vier Seiten eine Häkelschule bietet, sind doch kleine Fehler dabei, wo ein Anfänger schnell die Lust verlieren kann. Denn wenn das Endergebnis nicht so ausfällt, wie man es sich vorstellt, ist der Ärger dann groß. Daher kann ich das Buch nur bedingt empfehlen, auch wenn es insgesamt seine 14,99 Euro wert ist.
 
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Mittwoch, 12. Oktober 2016

Der Sünderchor von Claudia und Nadja Beinert

Bildquelle: Droemer Knaur
Der Sünderchor 
 
Autorinnen: Claudia und Nadja Beinert
Klappenbroschur, Knaur TB
Erscheinungsdatum: 01.09.2016
560 Seiten
ISBN: 978-3-426-51651-5



 

1248 zwischen Weimar und Sömmerda in der Nähe des Ettersbergs. Da lag damals die Burg Neumark, heute ein Dorf. Hortensia soll verheiratet werden. Im Vergleich zu ihrem Bräutigam, ein Sohn eines angesehenen Waidhändlers aus Erfurt, ist sie von niederem Stand. Denn ihr Vater ist nur der Burgschreiber von Neumark. Doch das junge Mädchen will diesen Goswin aus Erfurt nicht heiraten und verlässt im Groll das Haus ihrer Eltern. Dass sie sich nie wieder mit ihnen versöhnen kann, muss sie wenige Stunden später erkennen, als die Burg Neumark überfallen worden war.

Hortensia, das Herbstmädchen

Die 17jährige spielt eine tragende Rolle in diesem Roman und wird dabei ein Spielball der Politik. Sie lässt sich vom Meißner Markgrafen einspannen, der gegen den verhassten Halbbruder, dem Bischof von Naumburg, angehen will. Das in politischen Belangen naive Mädchen lässt sich auf den Handel ein, da sie doch ihr Leben dem Markgrafen verdankt. Erst später wird ihr klar, dass dieser Mann für den Tod der eigenen Familie verantwortlich ist und sie zur Waise gemacht hat. Doch kann sie ihre Fehler mit dieser Erkenntnis wieder gut machen? Und wird der Hintergangene ihr auch ihr Handeln verzeihen können?

Matizo von Mainz

Ist er der Mann, der später als Meister von Naumburg in die Geschichte eingehen wird? Zumindest hat dieser Mann einen langen Leidensweg hinter sich, wie auch noch vor sich. Diesen Weg wird auch Hortensia kreuzen, bis er endlich von seiner Vergangenheit befreit wird. Etwa die Hälfte des Buches gibt es nur Andeutungen zu einem Matthäus und der Leser kommt auf den Gedanken, dass Matizo, der seine Arbeit so sehr liebt, so feinfühlig auf den Stein reagiert, ein Mörder sein könnte. Doch ist er das wirklich oder hat es mit diesem Matthäus etwas ganz anderes auf sich? Der Leser wird es im Laufe der Geschichte erfahren und sehr erstaunt über die Wahrheit sein.

Wobei man, wie man den Erklärungen im Nachwort entnehmen kann, gar keine Aufzeichnungen über den Naumburger Meister existieren, in diesem Roman dem Mann ein Gesicht gibt. Da es verschiedene Thesen und Vermutungen über seine Herkunft gibt, wird man diesen Varianten gerecht. Einmal das Aussehen, das eher einem Franzosen ähnelt und dazu seine scheinbar deutsche Herkunft, die im Buch recht spät offenbart wird. Hier haben die Autorinnen einen Menschen lebendig werden lassen, wo man verschiedene Lebensläufe noch heute unter Wissenschaftlern für möglich hält.

Macht, Kampf und Liebe

Die Geschichte um den Bau des Naumburger Westchores spielt zur Zeit des Thüringer Erbfolgekrieges. Aus aus diesem Grund war die Burg Neumark im Auftrag des Markgraf von Meißen überfallen worden. Es geht dabei ausschließlich um die Übernahme des Titel Landgraf von Thüringen mit seinen Ländereien, auf die Heinrich III. von Meißen Anspruch erhebt. Doch damals wie heute, melden auch andere Erben ihre Ansprüche an und es kommt nicht selten zu kämpferischen Auseinandersetzungen.

So auch der Kampf um den Bau des Westchores. Hier wird er auf künstlerischer Ebene ausgefochten, denn der Markgraf von Meißen fordert seinen Halbbruder, den Bischof heraus. Jeder hat einen Meister beauftragt, der den Anbau an die Kathedrale planen soll. Am Ende soll das Volk auf gleicher Ebene mit den Adligen und Geistlichen entscheiden, welche Pläne umgesetzt werden. Dabei wird auch der Machtkampf zwischen deutschem Kaiser und dem Papst aufgezeigt.

Natürlich darf in einem solchen Roman auch nicht die Liebe fehlen. Die bleibt lange, egal wer liebt, lange unerwidert. Goswin von Archfeld, der Waidhändlersohn liebt Hortensia und setzt alles daran sie wieder zu finden. Vor allem nachdem ihm klar wird, dass sie den Überfall auf die Neumarker Burg überlebt hat. Doch das Herbstmädchen, wie sie immer liebevoll von ihren Eltern genannt wurde, hat ihr Herz schon lange an einen anderen Mann verloren. Sie wollte Goswin nicht heiraten und wehrt sich auch nach dem erneuten Wiedersehen, zwei Jahre nach dem Überfall, gegen diese Verbindung. Doch kann sie wirklich eine auf eine Zukunft mit dem Mann hoffen, den sie liebt, aber doch so bitter enttäuscht hat?

Das Buch

Der Roman besteht aus geschichtlich belegten Fakten und Fiktion. Wie schon geschrieben wurde dem Erschaffer des Westchores ein Gesicht verliehen, da über ihn nichts überliefert wurde. Auch andere Fakten, die zwar belegt sind, wurden dem Roman ein wenig angepasst. Darüber wird aber im Nachwort aufgeklärt. Trotz dass man sich an mancher Stelle die Geschichte ein wenig zurecht gebogen hat, ist es von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Als Leser will man seine Hauptfiguren begleiten, hofft ständig, dass von den angedeuteten Geheimnissen aus der Vergangenheit etwas ans Licht kommt. Und ich gebe zu, dass es nur wenige Autoren gibt, die es schaffen mich alles vergessen zu lassen, weil ich das Buch nicht aus der Hand geben mag. Hier wurde es eindeutig vollbracht und ich kann den Roman nur jedem Leser empfehlen, der sich auch gern mit der Geschichte der Deutschen befasst.